Der Schmetzerbau

Neubau des Betriebsgebäudes der Frankfurter Wasser - Abwassergesellschaft mbH

Auszug aus der Rede des Aufsichtsratvorsitzenden der FWA mbH, Dipl.-Kaufmann Gerd Müller, vom 14.08.1998 aus Anlass der Grundsteinlegung für das neue Betriebsgebäude

„Im Rahmen der heute stattfindenden Aufsichtsratssitzung erfolgt die Grundsteinlegung für das neue Betriebsgebäude der FWA. Der Neubau ist, wie Sie dem Baustellenschild entnehmen können, erforderlich, da infolge der Beschädigungen der Verwaltungsbaracke diese vom Amt für Arbeitssicherheit als Arbeitsstätte bereits vor der letzten Heizperiode gesperrt worden ist. Die vorliegenden Gutachten bzw. Stellungnahmen zu den Schäden bzw. Auflagen zur Nutzungsbeschränkung des asbestbehafteten ehemaligen MWA/AKS-Gebäudes waren zunächst Anlass für den Aufsichtsrat, den weit nach dem Jahre 2000 geplanten Neubau vorfristig zu beschließen. Dieser Auffassung folgten auch die Gesellschafter. Leider blieben die bisherigen Bemühungen der Geschäftsführung, aber auch von Abgeordneten, Fördermittel für die Folgen des Hochwassers auch für diese Maßnahme zu erhalten, bisher erfolglos.

Die Baracke, ein Pförtnergebäude und weitere Anlagenteile wurden zwischenzeitlich bauvorbereitend abgerissen. Mit dem Neubau des Betriebsgebäudes der FWA soll auch eine Beziehung zum unter Denkmalschutz stehenden Teil des alten – jetzt außer Betrieb genommen Wasserwerkes – hergestellt werden.

In Umsetzung der Beschlüsse des Aufsichtsrates der FWA sowie der Gesellschafter, als auch des Aufsichtsrates des Wasserwerkes bereits vor 80 Jahren wird in Gedenken und Ehrung seines ersten Direktors, seiner besonderen Verdienste in der Entwicklung der Wasserwirtschaft und dem Wirken in der Stadt Frankfurt (Oder), Herrn Baurat Friedrich Schmetzer, das neue Betriebsgebäude in „Schmetzer-Bau“ benannt. Leider ist es nicht
gelungen, direkte Nachfahren des Herrn Schmetzer zu dieser Grundsteinlegung  einzuladen.

Im Namen des Aufsichtsrates der FWA und der Gesellschafter wünschen wir gemeinsam den Mitarbeitern der FWA viel Kraft, Gesundheit und Elan, verbunden mit der Hoffnung aller Beteiligten, dass der Schmetzer-Bau fristgemäß fertiggestellt wird.“

Zeichnungen: Joachim Weidner/Frankfurt (Oder)

Verbunden mit dem Einlassen einer Urne erfolgten die symbolischen 3 Hammerschläge, der erste vom Architekten Herrn Schuster  verbunden mit dem Wunsch für unfallfreies Arbeiten, der zweite vom Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Dr. Müller verbunden mit dem Wunsch,dass das Gebäude von Feuer, insbesondere Wasser und Sturm verschont bleibt und der dritte vom Geschäftsführer Herrn Grunert verbunden mit dem Wunsch, dass die neuen Arbeitsbedingungen im Betriebsgebäude, den Mitarbeitern der FWA mbH viel Kraft, Gesundheit und Elan geben, um ihr ganzes Engagement und Kompetenz in den Dienst ihrer Kunden zu stellen.

Bildquelle: Winfried Mausolf/Frankfurt (Oder)

Feier anlässlich der Grundsteinlegung des neuen Betriebsgebäudes

Neubau des FWA-Betriebsgebäudes im Buschmühlenweg 171

Auf dem seit 1865 bestehenden Betriebsgelände des Frankfurter Wasserwerkes wurde ein neues Betriebsgebäude errichtet. Hier haben 43 Mitarbeiter der Bereiche kaufmännische Abteilung, Wasserversorgung, Kundenservice und Geschäftsführung ihren Arbeitsplatz.

In die historische, unter Denkmalschutz stehende Gesamtanlage, die abschnittsweise saniert wird, ist der Neubau in radialer Ausrichtung eingefügt.

Das Erdgeschoss wurde in Teilen aufgeständert und integriert Wasserflächen in der Freianlage und den angrenzenden Landschaftsraum der Oderaue. Das Gebäude wurde als Stahlbetontragwerk auf einer Pfahlgründung errichtet. Die Außenwände sind als stukturierte Metallkonstruktion mit in Teilen großen Verglasungsflächen ausgeführt. Im Erdgeschoß wird darüber eine intensive Verknüpfung zwischen Innen-
und Außenraum bewirkt.

Städtisches Wasserwerk am Buschmühlenweg
  • Nettogrundrissfläche: 1.200m²
  • Bausumme: 4,3 Mio. DM
  • Planung: 1997/1998
  • Bauzeit: 1998/1999
  • Architekt: Architekturbüro Schuster

Baurat Friedrich Schmetzer
46 Jahre Direktor des Wasserwerkes

Baurat Friedrich Schmetzer wurde am 7.September 1842 in Frankfurt am Main geboren. Bereits mit jungen Jahren absolvierte er erfolgreich technische Arbeiten im nationalen und internationalen Rahmen. 1872 wurde Friedrich Schmetzer zum ersten Direktor des Wasserwerkes in Frankfurt (Oder) berufen. Er, der Erbauer des Oderstädter Wasserwerkes an der Buschmühlen-Chaussee, verkörperte den Typ eines exellenten technischen Fachmannes, welcher sein ökonomisches Können mit einem unternehmerischen Talent verband. Charakeristisch für ihn waren die ständige Suche nach technischen Neuerungen, deren Durchsetzung, sein intensiver Tatendrang, seine ruhige Arbeitsweise und seine liberale Gesinnung. Friedrich Schmetzer führte aufgrund seiner Persönlichkeit das Wasserwerk zielgerichtet und stabil durch ruhige als auch unruhige Zeiten und entwickelte es von einem kleinen Unternehmen zu einer Anlage von beachtlicher Dimension.

Friedrich Schmetzer erwarb sich beachtliche Verdienste um die Entwicklung der städtischen Kanalisation. Unter dem Gesichtspunkt der Einheit von Wasserversorgung und Abwasserbehandlung entwickelte er im Jahre 1890
gemeinsam mit dem Berliner Baurat Hertzberg für Frankfurt (Oder) ein vielbeachtetes Projekt, welches im gleichen Jahr von den Stadtverordneten bestätigt und in den Folgejahren realisiert wurde. Wiederholt wurde der
Ingenieur für seine Verdienste geehrt. Unter anderem verlieh ihm der preußische König „durch Allerh. Kabinettsorder den Charakter als königlicher Baurat“.

Baurat Friedrich Schmetzer wirkte 20 Jahre als Präsident des Zentralverbandes der Preußischen  Dampfkesselüberwachungsvereine, einem Vorläufer des TÜV. Viele Jahre war er zweiter Vorsitzender im
naturwissenschaftlichen Verein des Regierungsbezirkes in Frankfurt (Oder).

Am 12.Oktober 1918 verstarb Friedrich Schmetzer nach einem erfüllten Leben. Er hinterließ neben seinen verdienstvollen ingenieurtechnischen Leistungen ein solides, kaufmännisch und technisch hervorragend geführtes Unternehmen. Viele Frankfurter
trauerten mit voller Berechtigung um eine bedeutende Persönlichkeit, die das wirtschaftliche Antlitz der Stadt maßgeblich geprägt hatte.

Der Magistrat bestätigte: „Als ein anerkannter Wasserfachmann hat er sein umfassendes Wissen und seine reichen Erfahrungen als solcher oft in den Dienst unserer Stadt gestellt, so u.a. bei den Vorbereitungen zum Bau unserer Oderbrücke und bei der Anlage der Kanalisation unserer Stadt…“

Damit »Alles im Fluss« bleibt.​

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