Kanalsanierung im Stadtzentrum

Ab dem 8. Oktober 2007 begann nach Abschluss der Vorarbeiten die Sanierung des Mischwasserhauptsammlers zwischen Lindenstraße und Brunnenplatz in Frankfurt (Oder). Ende des 1. Quartals 2008 sollte Sanierung abgeschlossen sein.

Für das teilweise über 100 Jahre alte Kanalnetz in Frankfurt (Oder) gibt die FWA mbH jährlich rund 1 Mio. Euro für die Sanierung aus. Im Jahr 2006 wurde der Zustand des 1977 erbauten Kanalabschnittes zwischen Lindenstraße und Rathaus untersucht und ein deutlicher Sanierungsbedarf – hervorgerufen durch fortschreitende Betonkorrosion – festgestellt. Wenngleich die Standfestigkeit des Mischwasserhauptsammlers und der Schachtbauwerke nicht akut gefährdet waren, müssten dennoch umfassende Sanierungsmaßnahmen
zur Sicherung einer langfristigen Funktionsfähigkeit durchgeführt werden.

Betonkorrosion im Mischwasserhauptsammler

Der Kanal, mit einem Durchmesser von 1,6 m die Hauptschlagader des Frankfurter Abwasserkanalsystems, beginnt in der Gubener Straße und transportiert sowohl das häusliche Abwasser der Bürger in Müllrose und Frankfurter (Oder) als auch anfallendes Niederschlagswasser zur Kläranlage im Norden der Stadt. Bei solch großen Kanalsanierungsmaßnahmen hat die fortwährende Abwasserableitung, in  Fachkreisen auch „Interimslösung“ genannt, eine besonders wichtige Aufgabe: Während der Sanierungsarbeiten musste sichergestellt sein, dass das Abwasser die Kläranlage erreicht, ohne die Sanierung zu behindern bzw. die Arbeiter zu gefährden. Dazu wurden eine Reihe von Umleitungen im unterirdischen Kanalnetz von Frankfurt (Oder) vorgenommen.

So wurde das Abwasser aus Richtung Gubener Straße während des Sanierungsvorhabens in einen Kanal kleinerer Dimension durch den angrenzenden Park in die Gartenstraße umgeleitet. Das Abwasser aus Richtung Heilbronner Straße wurde über einen umfunktionierten Regenwasserkanal bis zur Logenstraße transportiert, wo sich beide Ströme wieder vereinigten und gemeinsam in Richtung Kläranlage flossen. Alternativ wäre nur eine aufwendige, oberirdische Provisoriumsleitung mit Pumpen möglich gewesen, welche den öffentlichen Raum und besonders den Straßenbahnverkehr eingeschränkt hätte.

Der Sanierung waren im August umfassende Reinigungsarbeiten des Kanals in diesem Gebiet vorausgegangen. Für die Grundreinigung waren ursprünglich zwei Wochen vorgesehen. Mit Rücksicht auf die zentrale Lage und den Mittagsbetrieb des Brunnencafes fanden die Arbeiten im Bereich des Brunnenplatzes in den Vormittagsstunden von 6 bis 11 Uhr statt. „Diese Arbeitsweise führte zu einer siebentägigen Verlängerung der veranschlagten Dauer“ so Hartmut Gabler von der ausführenden Kanalreinigungsfirma Becker & Armbrust aus Frankfurt (Oder).

Grundreinigung des Mischwasser-
hauptsammlers in der Karl-Marx-Straße

Im Anschluss an die Grundreinigung erfolgte die Feinreinigung mit speziellen Hochdruckreinigigungsgeräten und heißem Wasser sowie die Beschichtung bzw. Vorprofilierung durch die Mitarbeiter der Firma KUT aus Dresden. Insbesondere die Vorprofilierung des Altkanals war sehr wichtig, um tiefere Ausbruchstellen und scharfkantige Übergänge anzugleichen und so die Grundvoraussetzung für die eigentliche Sanierung, den Einbau des so genannten Schlauchliners, herzustellen.

Vorprofilierung des Kanals

vorher
nachher

Nach Abschluss dieser Vorarbeiten wurde im Oktober 2007 auf einer Länge von 405 Metern ein so genannter Schlauchliner unterirdisch in die alte Leitung eingezogen. Der flexible, in Polyesterharz getränkte Synthesefilzschlauch besitzt eine Wandstärke von etwa 2,5 cm und ein Gewicht von ca. 110 t. Der Schlauch wurde in zwei Abschnitten jeweils beginnend von der Kreuzung Karl-Marx-Straße/Logenstraße einmal in Richtung Lindenstraße und einmal in Richtung Brunnenplatz in den Altkanal eingezogen. Danach erfolgte die Befüllung mit Wasser, so dass sich der Schlauch „aufblähte“ und sich an die Konturen des Altkanals anpasste. Hier zeigte sich im besonderen Maße die Qualität der Vorarbeiten. Würden dabei nämlich scharfkantige Ecken oder Hindernisse übersehen werden, könnte die Außenschicht des Schlauches beschädigt werden. Das Wasser wurde auf 80°C aufgeheizt und so das zähflüssige Harz zu einem stabilen, festen Kunststoffrohr ausgehärtet. Dieser Vorgang, bei dem auch begleitende Gerüche des aushärtenden Polyesterharzes wahrgenommen werden konnten, konnte je nach Dimension mehrere Tage dauern. Eine Gesundheitsgefährdung bestand jedoch nicht.

Einbau eines Schlauchliners (Foto: InsituForm)

Nach Aushärtung und Abkühlung des Schlauches wurde das Heizwasser abgelassen. Das Ergebnis war ein festes, wasserdichtes Rohr, das passgenau zum alten Kanal liegt. Seitliche Zuläufe wurden mit Spezialtechnik aufgefräst und an das neue Rohr angebunden. Danach wurden die ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogenen Schachtbauwerke renoviert und durch eine Spezialbeschichtung vor der substanzangreifenden Wirkung des Abwassers geschützt.

Als abschließende Maßnahme erfolgte die Rückbindung der provisorischen Abwasserumleitung und damit die Wiederinbetriebnahme des sanierten Altkanals.

Bauablauf:
06.08.-17.08.07Einholen von Genehmigungen
20.08.-06.09.07Einrichtung der Baustelle/Straßensperrung/Abwasserhaltung
20.08.-11.09.07Abschnittsweise Grobreinigung des Kanals
29.08.-14.09.07Entfernen von Hindernissen und Feinreinigung
13.09.-14.09.07Kalibrierung des Schlauchliners
10.09.-28.08.07Vorprofilierung des Altkanals/Vorbereitung zum Schlaucheinzug
01.10.-05.10.07Zwischenreinigung vor Schlauchlinereinbau
08.10.-19.10.07Einbau der Schlauchliner in zwei Abschnitten
22.10.-16.11.07Nacharbeiten zum Schlauchlinereinbau
ab 22.10.07Sanierung der Schachtbauwerke
bis 31.03.08Rückbau der Baustelle/Abwasserhaltung

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