Historie

Wasserversorgung in Frankfurt (Oder)

Die Wasserwirtschaft der Stadt Frankfurt (Oder) vom 13. bis zum 17. Jahrhundert
Die Gründungsurkunde der Stadt Frankfurt (Oder), vom Markgrafen Johann I. von Brandenburg, trägt das Datum 12. Juli 1253.
Das Stadtgebiet und die Landschaft, die es umgibt, haben durch die erste Eisrückzugsphase der letzten Eiszeit ihre hauptsächliche Ausprägung erhalten. Große Teile des späteren mittelalterlichen Stadtgebietes waren zuvor versumpft und nicht ohne Weiteres überquerbar. Im Bereich der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße war die einzige Stelle, wo man einigermaßen trockenen Fußes vom Westen her das Ufer der Oder erreichen konnte. Zum Siedeln war das Stadtgebiet also keinesfalls günstig; von handelsökonomischen und verkehrstechnischen Gesichtspunkten her gesehen, hatte der Ort dagegen unübersehbare Vorteile. Hier waren der Bau einer Brücke sowie der Ausbau von gut zu nutzenden Anlegeplätzen zum Be- und Entladen von Flusskähnen möglich. Neben diesem günstigen Flussübergang, den bald nach seiner Besiedlung viele Straßen anliefen und der von seiner allgemeinen sowie geographischen Lage der einzig wirklich gute Oderübergang in Norddeutschland war, müssen auch die nahe der Stadt in gefällereichen Seitentälern zur Oder hin fließenden Bäche des Mühlen-, Klingetales usw., die die Anlage von vielen Wassermühlen ermöglichten, genannt werden.
Die Nutzung der Wasserkraft zu gewerblichen Zwecken und zum Mahlen von Korn war, wie selten in einer anderen Stadt, in großem Maße betrieben worden.
Die Anstrengungen, welche von den Neusiedlern zum Ausbau der Stadt unternommen wurden, waren enorm. Zuerst einmal musste der äußere Stadtgraben angelegt werden, um die Quellwässer abzufangen und geradewegs in die Oder zu leiten.
Als der Gartenbaumeister Lenné (1834 - 1844) das Gelände der Stadtgräben zu einem Park umgestaltete, stellten ihn diese Quellen, die noch zu der Zeit pro Minute 40.000 Liter Wasser lieferten, vor fast unlösbare Aufgaben. Der äußere Stadtgraben war durch einen starken Wall, der in einem Rest im Stadtpark noch erhalten geblieben ist, vom inneren Stadtgraben getrennt, welcher danach angelegt wurde, um die Abwässer von den Pfuhlstellen usw. in die Oder führen zu können, die ja nicht oberflächlich abgeleitet werden konnten. Beide Stadtgräben waren etwa 20 m breit sowie 7 - 8 m tief und der Wall zwischen ihnen besaß eine Krone von ungefähr 15 m Breite.
Die Gräben endeten am späteren Gubener Tor der Stadtanlage blind und wurden vor ihrem Abfluss in die Oder an der Nordwegstrecke der Stadtanlage durch unterschiedlich hohe Wehre angestaut. Die Befestigungsanlagen passten sich genau den topographischen Verhältnissen an, da die Befestigungsanlagen gleichzeitig eine Voraussetzung für die Trockenlegung des Stadtgebietes waren.
In dem aufgefüllten Pfuhlgelände verlegte man Dränagerinnen, die nahe der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße in einer Faschinenpackung mündeten, welche das Wasser in den inneren Stadtgraben leitet. Bei den Dränagerinnen handelte es sich um gespaltene und im Durchmesser etwa 60 cm starke Kiefernstämme, die mittels glühender Steine ausgebrannt worden waren. Sie wurden mit armstarken gespaltenen Baumstämmen oder grob zurechtgehauenen Bohlen überdeckt, die auf Querhölzern lagen. Die trogförmigen Rinnen waren einfach auf Stoß zusammengesetzt worden, während die Abdeckhölzer an den Enden angespitzt worden sind, um sie miteinander verzahnen zu können. Stärkere Knüppel oder schwache Rundhölzer sind in Abständen seitlich der Rinnen in den Boden getrieben worden, damit die Abdeckung derselben nicht verrutschen konnte. Dieses Dränagesystem muss zwischen 1270 und 1280 verlegt worden sein.
1348 war das gesamte Gebiet nahezu um 1,50 m erhöht worden und da große Teile durch den Angriff Kaiser Karl IV. zerstört worden waren, versenkte man erneut Rinnen, welche zum Teil zufällig über die älteren zu liegen kamen. Diese waren wieder aus Kiefern von 60 cm Durchmesser hergestellt und dabei vollkommen ausgedrechselt worden.
Anfang des 16. Jahrhunderts wurde im gleichen ehemaligen Pfuhlgebiet erneut eine Dränageanlage, diesmal aber aus rund 10 cm stark durchbohrten Kiefernstämmen von 20 bis 25 cm Durchmesser und 4 m Länge verlegt. Die Stoßstellen waren bei der Abflussleitung durch jene altbekannten Eisenmuffen verbunden, die auch bei Trinkwasserleitungen in anderen Städten verwendet wurden. Diese Abflussleitung, welche einwandfrei ein Gefälle zum inneren Stadtgraben hin aufwies, lag wieder an der gleichen Stelle, an der die früheren Faschinenpackungen gelegen hatten.
Für die Wasserversorgung wurden vom 13. bis zum frühen 15. Jahrhundert von der ärmeren Bevölkerung in den feuchten Gebieten der Stadt primitive Fassschöpfbrunnen gebraucht. Auch regelrechte Tiefbrunnen, die aus einem Sickerkasten und darüber gepackter runder Brunnenrohre bestanden, wurden den seit der Stadtgründung bis zum 16. Jahrhundert hin verwendet. Der viereckige Sickerkasten, dessen Gerüst aus vier vierkantigen Eckpfeilern sowie darin eingezapften und mit Holznägeln befestigten Innenstreben unten wie oben bestand, wurde außen von ineinander genuteten Bohlen glatt abgeschlossen. Der so genannte Sickerkasten hatte lediglich den Zweck, beim Ausschachten des Brunnens und dem Einsetzen der gepackten Brunnenrohre als Hilfsmittel zu dienen. Die angeschärften unteren Enden der Bohlen des Sickerkastens wurden beim Vertiefen des Brunnens nämlich ständig unterwühlt und der ganze Kasten durch die Last der Brunnenwandung dabei immer weiter nach unten gedrückt.
Statt der Steinpackung wurden auch lange viereckige Holzsegmente für die Brunnenverschalung benutzt, die im Prinzip wie die Sickerkästen konstruiert waren. Diese holzverschalten Brunnen waren innen und außen geteert und ließen so das obere verunreinigte Sickerwasser nicht eindringen. In den feuchten Gebieten, wo der Wasserdruck auf die Brunnenwandung zu stark war, benutzte man vom 15. Jahrhundert an zwei Ausschalungen für die Brunnen, deren etwa 30 cm starke Zwischenschicht aus klarem und feinstem Sand als Filter fungierte.
Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert benutzte man zum Brunnenbau trapezförmige Ziegelsteine, die rund gepackt werden konnten. Sie wurden auf einem stabilen Holzring aufgebaut, der zum Unterwühlen, also zum Einsenken der gepackten Brunnenrohre diente. Die meisten waren als Ziehbrunnen konstruiert und besaßen eine Handwinde.
Als Abfall- und Fäkaliengruben wurden alte Brunnen jeder Art benutzt. Gruben mit Bohlenverschalungen hielten sich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Danach wurden die Abfallgruben vorwiegend mit Ziegelsteinen ausgepackt und ausgemauert. Alte eingedeckte Fäkalien- und Abfallgruben, Jauchegruben usw. lagen häufig nahe den Wasserbrunnen, so dass deren Verseuchung groß war und so Epedemien regelrecht provoziert wurden. Außerdem waren die Abfallgruben wahre Brutstätten für Fliegen und Mücken. Ferner waren sie ein Eldorado für Mäuse und Ratten, die darin ihr ganzes Leben verbrachten.
Erst mit der Gründung der Universität (1506) scheint man die Stadt in dieser Beziehung öfter saniert zu haben, denn ab dieser Zeit wurden die Abfallgruben regelmäßig mit ungelöschtem Kalk überdeckt.

Beginn und Ausbau einer zentralen Wasserversorgung
Der Bau einer zentralen Wasserversorgung konnte von der Stadtverordnetenversammlung nicht bewilligt werden, da die dafür notwendigen hohen Summen bei dem damaligen Finanzzustand der Stadt nicht aufzubringen waren. Da aber die Einrichtung einer Wasserversorgung für die Stadt Frankfurt (Oder) "nicht bloß manche Annehmlichkeiten bereitet, sondern derselben geradezu Bedürfnis ist", nahm die Stadtverwaltung Anfang 1872 Verhandlungen mit der Continental Aktien-Gesellschaft für Wasser- und Gasanlagen in Berlin auf, die über Vertragsabschlüsse zum Bau der zentralen Wasserversorgung führten.
Seit 1873 wurden die Arbeiten an der Wasserleitung zügig durchgeführt. Bemängelt wurde "die Verwüstung der Straßen", da das Pflaster nicht in dem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt wurde.
Trotz der unbestrittenen Vorteile, die eine zentrale Wasserversorgung mit sich brachte, klagte das "Frankfurter Patriotische Wochenblatt" am 25. Oktober 1873 darüber, dass das Projekt "so wenig wirkliche Freunde, ja sogar entscheidene Feinde hat".
Am 29. Juli 1874 bestand ein Teil des Rohrnetzes die Probeprüfung, die vorangegangenen Proben lieferten einige Rohrbrüche. Das Wasserwerk wurde nach den Entwürfen unter Leitung des späteren langjährigen Direktors, Baurat Schmetzer, mit einem Kostenaufwand von 1.081.593 Mark in den Jahren 1872 bis 1874 erbaut und am 14. September 1874 in Betrieb genommen. Die Stadt Frankfurt (Oder) hatte damals 45.000 Einwohner. Das Wasserwerk versorgte die Stadt mit Grundwasser und war für eine Tagesleistung von 6.000 m³ eingerichtet. Das Wasser wurde etwa 250 Meter von der Oder entfernt aus drei gemauerten Brunnen entnommen. Ein vierter größerer Brunnen, der mit den drei ersten durch eine Leitung in Verbindung stand, diente als Schöpfbrunnen.
Aus diesem förderten zwei tiefliegende Kolbenpumpen das Wasser in die Rohrnetze der beiden Druckzonen, an deren Ende sich der Hochdruckbehälter (Alter Wasserturm am ehemaligen Wintergarten) und der Niederdruckbehälter (Erdbehälter neben dem Turm) befanden. Der Antrieb der Pumpen erfolgte direkt von den darüber stehenden Dampfmaschinen. Am 27. Februar 1876 ging das Werk für 750.000 Mark an die am gleichen Tag gegründete Aktien-Gesellschaft Wasserwerk zu Frankfurt (Oder) über.
Das Grundwasser enthielt pro Liter bis zu 5 mg Eisen und 2 mg Mangan, welche Trübungen des Wassers verursachten. Die Enteisenung und Entmanganisierung waren in damaliger Zeit noch mit großen Schwierigkeiten verbunden und so zog man das weit weniger eisenhaltige Oderwasser vor. Zur Reinigung des Oderwassers wurden die ersten drei Filter im September 1889 in Betrieb genommen, gleichzeitig mit ihnen ein neu erbauter Reinwasserbehälter sowie ein Reinwasserbrunnen und die erste Heberleitung mit Siebbrunnen und Einlauf an der Oder.
Im Jahre 1893, welches auf das Cholerajahr folgte, richtete das Wasserwerk ein Laboratorium ein, in welchem die seitdem vorgeschriebenen bakteriologischen und auch sonstigen chemischen Wasseruntersuchungen gemacht wurden.
Nach Vollendung der steinernen Oderbrücke wurde auch die damalige Dammvorstadt im Jahre 1895 mit Trinkwasser versorgt. Im Jahre 1897 wurde eine kleine Pumpanlage in der heutigen Leipziger Straße, welche der höchstgelegenen Stadtteil zu versorgen hatte, in Betrieb genommen. 1903 bis 1904 vollendete man das neue Maschinenhaus, einen neuen Dampfkessel, den Hochdruckbehälter sowie den neuen Wasserturm Heinrich-Hildebrand-Straße. In letzterem befand sich das Höchstdruckwerk, welches das Wasser aus dem daneben gelegenen Hochdruckbehälter zum zweiten Mal hob.
1920 wurden die beiden alten Pumpmaschinen und die Zentrifugalpumpen durch zwei elektrisch betriebene Pumpenaggregate mit einer Stundenleistung von 300 m³ ersetzt, so dass zwei voneinander unabhängige Antriebsarten (Dampf- und Elektroantrieb) zur Verfügung standen.
Am 2. April 1921 ging das Wasserwerk in den Besitz der Stadtgemeinde Frankfurt (Oder) über. Das Werk hatte zu dieser Zeit 25 Angestellte und 70 bis 85 Arbeiter, die im Werk und am Netz beschäftigt waren. Zur Reinigung der Filter waren ständig 20 Arbeiter erforderlich.
1924 gab es 9 Filter mit 5 115 m² Fläche, die täglich eine Wassermenge von 12.000 m³ reinigen konnten. Das Rohrnetz von Frankfurt (Oder) hatte 1924 eine Länge von 80 km mit Nennweiten der Versorgungsleitungen von NW 80 bis NW 380. Die Betriebskosten für das geförderte und gereinigte Wasser wurden auf den Monat November 1920 wie folgt angegeben:

Elektro Dampf
Hochdruck

24,15 Pfg.

31,99 Pfg.
Niederdruck 16,40 Pfg. 21,87 Pfg.

In den Jahren 1919 bis 1924 wurden im gesamten Stadtgebiet Wassermesser eingebaut.
1926 ging man dazu über, den Forderungen der Hygiene Rechnung tragend, die Grundwasserversorgung auszubauen. 1927 wurde deshalb eine Enteisenungs-, Entmanganisierungs- und Entsäuerungsanlage in Betrieb genommen. Sie hatte eine Leistung von 450 m³/h. Von nun ab wurde der Wasserbedarf der Stadt im Winter ganz und im Sommer zu 75 Prozent aus Grundwasser gedeckt. Für die Grundwasserentnahme waren 6 Kiesschüttungsbrunnen, etwa 20 m tief, gebohrt worden, von denen über eine Heberleitung das Wasser dem Sammelbrunnen zugeführt wurde. Bis 1947 erfolgten Erweiterungen auf 14 Brunnen und eine zweite Heberleitung.
In den Jahren 1925 und 1927 wurde dem Wasserwerk das Verwaltungsgebäude Lindenstraße 18 und das Wohnhaus Gubener Straße 31 b zugesprochen.
Die Wasserversorgungsanlage der Stadt wurde 1932 durch den Hochdruckbehälter (5.000 m³ Inhalt) auf dem Gelände des neuen Wasserturms, Heinrich-Hildebrand-Straße, und 1938 druch den Nuhnenwasserturm (400 m³ Inhalt) erweitert.
Entwicklung der Einwohner und der Wasserförderung

Jahresförderung
Tagesförderung
Jahr Einwohner Tm³/a max. min. Durchschnitt
1876 47.000 170 - - 465
1889 54.000 846 3.917 1.124 2.317
1898 59.100 1.320 5.581 2.029 3.615
1909 68.900 2.143 7.985 3.792 5.855
1913 70.350 3.218 11.773 6.025 8.834
1919 69.000 4.010 13.459 8.883 10.987
1920 70.550 3.310 11.486 4.929 9.143
1922 73.194 2.553 10.129 4.180 6.995
1929 75.000 3.418 12.973 5.596 9.365
1937 80.000 3.636 16.100 5.900 10.000
1943 84.000 4.763 19.670 9.920 13.000
1948 55.000 3.439 14.050 7.530 9.420
Interessant ist es noch zu wissen, dass im Jahre 1923 ein Konkurrenzkampf zwischen dem Elektrizitätswerk und dem Wasserwerk in Frankfurt (Oder) stattfand, während welchem das Wasserwerk ein halbes Jahr lang keinen Strom abnahm und nur die Dampfmaschinen fuhr.
Über die Entlohnung der Arbeiter geht aus den vorhandenen Unterlagen nur so viel hervor,
dass sie 1923 12 Mark pro Woche erhielten und 1929 die Entlohnung wie folgt gestaffelt war:
Für ungelernte Arbeiter 60 Pfg. pro Stunde
für angelernte Arbeiter 70 Pfg. pro Stunde
für Facharbeiter 77 Pfg. pro Stunde.

Überwindung der im 2. Weltkrieg entstandenen Schäden an den Wasserversorgungsanlagen
Die Stadt Frankfurt (Oder) war am Kriegsende zu etwa 70 Prozent zerstört. In den Apriltagen 1945 flüchtete der größte Teil des leitenden Personals des Wasserwerkes. Nur Arbeiter verblieben im Werk und hielten auch während des Einzuges sowjetischer Truppen in die Stadt die Versorgung mit Trinkwasser aufrecht in den durch Zerstörungen der Anlagen und des Netzes bedingten Grenzen.
Die Wasserverluste in diesem Werk betrugen 1945 etwa 50 Prozent und konnten bereits 1946 auf 25 Prozent und bis 1955 auf 10 Prozent gesenkt werden.
Da für den Betrieb des Wasserwerkes kein Strom zur Verfügung stand, wurden die Dampfmaschinen in Gang gebracht. Zur Inbetriebnahme der Zwischenpumpstation in der Heinrich-Hildebrand-Straße, die der Versorgung der Höchstdruckzonen I und II diente, ist im Freien eine Dampfmaschine aufgestellt worden.
Der Nuhnenwasserturm ist durch die deutsche Wehrmacht gesprengt und völlig zerstört worden. Deshalb musste die im Freien aufgestellte Dampfmaschine ständig in Betrieb sein. Dieser Zustand wurde 1951 durch die Fertigstellung des neu erbauten Wasserturmes, der "Friedensturm" benannt wurde, verändert.
Die zum Teil erheblichen Schäden am Rohrnetz - es waren etwa 100 Rohrbrüche festgestellt worden - konnten im Wesentlichen bis zum Herbst 1945 mit vorhandenem Material beseitigt werden.
Die sowjetische Stadtkommandantur hatte wesentlichen Einfluss auf die Stabilisierung der Wasserversorgung genommen. Der Befehl 209 sah die Errichtung von drei neuen Brunnen 1948 und zwei Brunnen 1949 vor sowie die Erweiterung des Straßenrohrnetzes um 2,25 km, um Neusiedlerstellen im Stadtteil Kliestow mit Wasser versorgen zu können.
Der langjährige und verdienstvolle Arbeiter, Kollege Palm, schilderte die Situation 1945 folgendermaßen: "Im Park vor dem Spiritushospital war das 380-HN-Hauptrohr zerschlagen. Meine Aufgabe war, so schnell wie möglich die Rohrschäden zu beseitigen, und so zog ich mit einem großen Handwagen und sechs bis acht Mann los.
Im Grünen Weg waren fünf Bombentrichter, worin das Versorgungsrohr zum Oderlandkrankenhaus zerstört lag. Die Rote Armee brauchte für ihre verwundeten Soldaten unbedingt Wasser. Nach kurzer Zeit konnten wir mit Unterstützung der Roten Armee einen Teil von Frankfurt (Oder) mit Wasser versorgen. Bis Ende 1945 klappte die Trinkwasserversorgung für ganz Frankfurt (Oder) wieder".
Das Rohrnetz hatte Ende 1945 eine Länge von 100.500 Metern.

 

In ihm eingebaut waren:
820 Schieber
646 Unterflurhydranten
58 Überflurhydranten
Es gab zu dieser Zeit vier Druckzonen:
die Niederdruckzone (+ 26 m über NN)
die Hochdruckzone (+ 56 m über NN)
das Höchstdruckgebiet I (+ 70 m über NN)
das Höchstdruckgebiet II (+ 90 m über NN)

 

Die Wasserversorgung in der DDR
Das Wasserwerk und seine Anlagen waren am 1. Januar 1949 dem Kommunalen Wirtschaftsunternehmen (KWU) zugeordnet worden. Die Verordnung über die Organisation der Wasserwirtschaft vom 28. August 1952 stellte die Wasserwirtschaft gemäß ihrer wirtschaftlichen Bedeutung auf eigene Füße. So wurde 1952 der VEB (K) Wasserwirtschaft Frankfurt (Oder) gebildet, der nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung arbeitete und für die Wasserversorgung der Stadt, einschließlich Abwasserfortleitung und -behandlung, zuständig war. Der Betrieb wurde dem Rat der Stadt Frankfurt (Oder) unterstellt.
Ab 1953 wurden die der Bezirksstadt Frankfurt (Oder) eingemeindeten Dörfer Pagram, Lichtenberg, Markendorf und Markendorf-Siedlung mit Trinkwasser versorgt.
Zur Rationalisierung der Materialversorgung war der VEB (K) Wasserwirtschaft Frankfurt (Oder) zum Materialleitbetrieb bestimmt worden und hatte für den südlichen Teil des Bezirkes Frankfurt (Oder) den Bedarf an wasserwirtschaftlichen Ausrüstungen, Geräten und Materialien zu erfassen, zu planen und zu beschaffen.
An vielen Kleinwasserwerken des Bezirkes Frankfurt (Oder) traten durch Kriegseinwirkungen Schäden auf. Den örtlichen Räten fehlte vielfach Sachkenntnis, die Instandsetzung und Unterhaltung dieser kleinen Wasserwerke in den Gemeinden zu gewährleisten.
Deshalb wurde der VEB (K) Wasserwirtschaft Frankfurt (Oder), als leistungsfähiger kommunaler Wasserwirtschaftsbetrieb, 1956 zum technischen Leitbetrieb bestimmt. Seine Aufgabe war es, die den örtlichen Räten unterstellten Kleinwasserwerke auf der Grundlage von Betreuungsverträgen in technischen Angelegenheiten zu betreuen. Der VEB (K) Wasserwirtschaft Frankfurt (Oder) betreute den nördlichen Teil des Kreises Eisenhüttenstadt (Land) und den südlichen Teil des Kreises Seelow.
Zur Sicherung einer kontinuierlichen Wasserversorgung, auch in den Sommermonaten, wurde die Pumpstation Heinrich-Hildebrand-Straße (heutige Robert-Havemann-Straße) rekonstruiert und in den Jahren 1955 und 1956 Rohrnetzverstärkungen in der Nuhnenstraße, in der Birnbaumsmühle und der Georg-Richter-Straße bis zur ehemaligen Konservenfabrik durchgeführt. Der Aufbau der zerstörten Innenstadt ging zügig voran. Industriebetriebe in der Herbert-Jensch-Straße nahmen die Produktion auf.
Deshalb wechselte man von 1957 bis 1964 die Rohrleitungen vom Platz der Republik bis zum Schlachthof durch solche größeren Dimensionen aus. Die Kliestower Straße mit Nebenstraßen wurden an das Wasserversorgungsnetz angeschlossen.
Ab 1959 erfolgten systematische Rohrnetzauswechslungen im gesamten Stadtgebiet.
Größere Wohnkomplexe entstanden ab 1961 am Weinbergweg/Traubenweg und am Baumschulenweg. Im Zusammenhang mit dieser Bautätigkeit stand die wasser- und abwasserseitige Erschließung dieser Wohngebiete.
Zur Deckung des zunehmenden Wasserbedarfes sind ab 1947 neue Kiesschüttungsbrunnen im Gelände der vorhandenen Brunnengalerie abgeteuft worden. In den Jahren 1953/54, 1956/57 und 1962/63 entstanden neue Brunnengalerien.
Die Brunnen wurden mit Unterwasser-Motorpumpen (Uta-Pumpen) ausgerüstet, die entweder in Sammelbrunnen oder in die Langsamfilter einspeisten. Vor den offenen Langsamfiltern wurde das Rohwasser versprüht, so dass durch die Einwirkung des Luftsauerstoffs ein Ausscheiden von Eisen und Mangan erreicht wurde.
Im Wasserwerk waren die Kolbenpumpen inzwischen demontiert worden. Neue, leistungsfähige Pumpen (650 m³/h) wurden installiert. Eine neue Hauptleitung in der Dimension NW 300 war vom Werk zu den Erdbehältern am neuen Wasserturm (heutige Robert-Havemann-Straße) verlegt worden, desgleichen eine Verbindungsleitung NW 250 mm vom alten (ehemals Wintergarten/Mühlenweg) zum neuen Wasserturm.
Trotz dieser und anderer umfangreicher Rekonstruktionsmaßnahmen konnte der Wasserbedarf in den Sommermonaten der Jahre ab 1959 nicht immer gedeckt werden.
Die Kapazität des Wasserwerkes betrug 1959 im 24-Stunden-Betrieb 14.400 m³/d. Der Bedarf der etwa 56.000 Einwohner und der Industrie betrug im Durchschnitt jedoch schon 14.900 m³/d. Die nachstehende Übersicht möge das verdeutlichen:
Jahr
Wasserförderung in %
Kapazitätsauslastung in %
1954
100
78
1955
103
80
1956
100
79
1957
107
83
1958
115
89
1959
132
103
Es wurde beschlossen, ein zweites Wasserwerk zu bauen. Als Standort dieses Wasserwerkes ist ein Gebiet bei Briesen ausgesucht worden, das im Berliner Urstromtal liegt.
Das Wasserwerk Briesen wurde 1969 in Betrieb genommen. Damit sollte die Wasserversorgung von Frankfurt (Oder) auf ein qualitativ stabiles Dargebot aus dem Grundwasser abgedeckt werden.
Das Wasserwerk wurde für eine Kapazität von 40.400 m³/d gebaut. Es war das größte und modernste Wasserwerk im VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Frankfurt (Oder).
Zum Wasserwerk gehörten:
52 Hebebrunnen
2 Sammelbrunnen
1 geschlossene Druckfilteranlage mit 12 Filtern

Zwischenbehälter mit 3.000 m³

Kontroll- und Steuerwarte.
Mit dem Wasserwerk wurde auch eine ca. 18 km lange Fernleitung DN 800 Spannbeton zwischen dem Wasserwerk und Rosengarten sowie die aus 4 Stück Erdbehälter mit je 5.000 m³ Inhalt bestehende Hochbehältergruppe fertiggestellt.
Schon Monate nach Inbetriebnahme war ein Rückgang im Dargebot festzustellen. Nach umfangreichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass das am Ort verfügbare Grundwasserdargebot nicht dem für die Planung ermittelten entsprach, da die Rohwasserfassung in einem Grundwasserspeicher angelegt wurde.
Bereits 1968/69 wurde zur Stützung des alten Wasserwerkes in der damaligen Oderallee ein provisorisches Wasserwerk (WW la) mit geschlossener Druckfiltration errichtet. Die mit Errichtung des WW Briesen (WW II) geplante Außerbetriebnahme des WW I und Ia wurde auf Grund der Probleme im WW II nicht vorgenommen.
Der weiterhin steigende Wasserbedarf in Frankfurt (Oder) und Umgebung zwang zu Stabilisierungsmaßnahmen im Wasserwerk Briesen. So wurde schon 3 Jahre nach Inbetriebnahme eine provisorische Infiltration von Spreewasser durchgeführt.
1976 wurde eine wasserwirtschaftliche Genehmigung zur Entnahme von Spreewasser zur Infiltration erteilt, um somit die installierte Kapazität zu erreichen.
Diese Genehmigung war Grundlage für den Bau von 4 Infiltrationsbecken und eines Entnahmepumpwerkes 1980 - 1982.
Der vorhandene hydrogeologische Speicher wurde über ein rechnergestütztes Programm, das im VEB WAB dafür entwickelt wurde, bewirtschaftet. Damit erfolgt auch heute noch der Betrieb der Anlage.
Mit der Inbetriebnahme des WW Briesen und dem HB Rosengarten veränderte sich auch die Rohrnetzstruktur der Stadt. Während das WW I mehr und mehr auf die Versorgung der Niederdruckzone zurückgefahren wurde, wurden die Wohnungsneubaugebiete Kopernikusstraße, Hansa Nord, Neuberesinchen über Rosengarten versorgt.
Während überwiegend das Behälterdruckniveau für die Versorgung ausreichend war, mussten dennoch 5 Druckstationen errichtet werden.
Die Stabilisierung des WW Briesen ermöglichte auch die Anbindung von 8 Ortsteilen an das Stadtnetz von Frankfurt (Oder); lediglich der OT Lossow wird seit 1966 über Brieskow-Finkenheerd versorgt. Auch weitere 12 Gemeinden des Kreises Fürstenwalde und 5 Gemeinden des Kreises Seelow wurden bis 1988 an den Verbund zum Wasserwerk Briesen angeschlossen.
Diese Erschließungsmaßnahmen wurden fast ausschließlich außerhalb der für den VEB WAB bilanzierten Baukapazitäten durch die Kreise und Gemeinden in Eigeninitiative gebaut. Teilweise vorhandene Kleinstwasserwerke wurden außer Betrieb genommen, so u. a. Markendorf, Lichtenberg, Pagram, Rosengarten, Petersdorf, Briesen, Heinersdorf, Altzeschdorf.
1979 - 1981 wurde ein Rohrnetzstützpunkt am Rande des alten WW-Geländes gebaut.

Die Wasserversorgung nach der Wiedervereinigung
Mit der Gründung der Märkischen Wasserversorgung und Abwasserbehandlung GmbH im Mai 1990 wurde die seit 1964 und durch eine Weisung des Ministeriums für Umweltschutz und Wasserwirtschaft 1980 modifiziete terrioriale Struktur aufgehoben und technologisch zusammenhängende Versorgungsgebiete strukturell zusammengeführt.
Ab 1991 übernahm die Bereichsdirektion Frankfurt (Oder) auch alle Gemeinden, die vom Wasserwerk Briesen und über Frankfurt (Oder) versorgt werden.
Die Versorgungsgebiete von Eisenhüttenstadt/Stadt und vom Landkreis Eisenhüttenstadt wurden eigenständige Bereichsdirektionen, die Gemeinden des Kreises Seelow wurden in die Bereichsdirektion
Oderbruch eingegliedert.
1991/92 wurden für alle Abnehmer Wasserzähler eingebaut. Dies führte, in Verbindung mit der Notwendigkeit, kostendeckende Preise zu kalkulieren, zu einem erheblichen Rückgang des Wasserbedarfes bei der Industrie und Landwirtschaft.
1992 erfolgte die Außerbetriebsetzung des WW Ia, da über die geschlossene Druckfiltration die geforderte Trinkqualität nie durchgehend gesichert werden konnte.
Mit dem 01.06.1993 wurde der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA mbH) der wirtschaftlich eingenständige Betrieb der Versorgungsanlagen per Nutzungsüberlassungsvertrag übertragen. Müllrose, Pillgram, Jacobsdorf, Biegen, Petersdorf und Sieversdorf waren als kommunale Gesellschafter der FWA mbH beigetreten, die durch die Stadtwerke Frankfurt (Oder) und die VEWA (Vereinigte Wasser GmbH) gegründet wurde.


1876 1943 1949 1973 1993
Einwohner in Frankfurt (Oder) 47.000 84.000 55.000 67.800 84.769
Jährliche Förderung in Tm³/a 170 4.763 3.439 7.847 9.441
Spezifischer Verbrauch in l/E/d 10* 155 179 317* 305**

Legende:
* nicht alle Einwohner angeschlossen
** Einwohner der Frankfuter Umlandgemeinden bleiben
unberücksichtigt (1993: 14.230 Einwohner)
· Störungen der Wasserversorgung bitte melden: Bereitschaftsdienst (0335) 55 869 335 ·   
     · Copyright © by FWA mbH · kontakt@fwa-ffo.de · Tel.: +49 335 55869 0 · Fax: +49 335 55869 330 ·