Abwassersammelgruben

 

Hinweise für die Bemessung und Gestaltung von ablußlosen Abwasser-
sammelgruben


1. Anwendungsbereich

Abwassersammelgruben im Sinne dieser Hinweise sind wasserdichte Behälter, die keinen Ablauf aufweisen.
Sie dienen zur Aufnahme und Speicherung von häuslichem Schmutzwasser bei der Entsorgung von Einzel-
grundstücken, die

- nicht an eine öffentliche Kanalisation angeschlossen und
- deren Schmutzwasser aus Gründen des Gewässerschutzes nicht auf dem Grundstück über eine
  Grundstückskläranlage behandelt und anschließend in ein Gewässer eingeleitet werden können.

Sie gehören nach den „Allgemeinen Bedingungen der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH
für den Anschluss von Grundstücken an die zentralen Abwasseranlagen der FWA mbH sowie die Einleitung von
Abwasser in die Anlagen der FWA mbH (Abwasserentsorgungsbedingungen - AEB)“ vom 03.03.1995 in
der jeweils gültigen Fassung zu den Grundstücksanlagen der Abwasserentsorgung und sind in der Regel
Eigentum des Grundstücksbesitzers.

Der Abwassersammelgrube dürfen nicht zugeleitet werden:

- gewerbliches Schmutzwasser, soweit es nach Menge und Beschaffenheit nicht mit häuslichem
  Schmutzwasser vergleichbar ist;
- Dränwasser;
- Ablaufwasser von Schwimmbecken;
- Niederschlagswasser.

Das auf den Grundstücken ggf. anfallende gewerbliche Abwasser muss, soweit es nicht mit
häuslichem Schmutzwasser vergleichbar ist getrennt, beseitigt werden.

 

Abwassersammelgrube

 


2. Bemessung

Der Inhalt der Abwassersammelgrube richtet sich nach :

- der Zahl der anzuschließenden Einwohner [E], errechnet aus der Zahl der angeschlossenen Wohneinheiten
  und bei anderen baulichen Anlagen aus der äquivalenten Zahl der Einwohner,
- dem spezifischen täglichen Wasserverbrauch eines Einwohners Wd [m3/d],
  (zurzeit etwa 90 - 120 Liter je Einwohner pro Tag)
- sowie den zeitlichen Abständen zwischen den Entleerungen (Beschickungszeitraum) TB in Tagen.

Abwassersammelgruben sollten nicht kleiner als 3 m3 sein.

Für Wohngrundstücke ist ein Richtwert von 2,5 m3/Einwohner nicht zu unterschreiten.


3. Allgemeine Baugrundsätze


3.1 Einbaustelle

Bei der Wahl der Einbaustelle ist darauf zu achten, dass die Abwassersammelgrube jederzeit zugänglich und die
Fäkalienabfuhr sichergestellt ist, d.h. möglichst nahe der Grundstückseinfahrt bzw. an der Grundstücksgrenze
zur Straße, zum Weg o. ä. Die Gruben sind mit einem Saugrohr und Anschlussstutzen für einen Saugschlauch zu
versehen.

Der Abstand der Grube von vorhandenen und geplanten Wassergewinnungsanlagen (z. B. Brunnen) sowie von
Wohngebäuden sollte so groß sein, dass Beeinträchtigungen der Anlagen bzw. der Bewohner nicht zu erwarten
sind. Die Bestimmungen für Wasserschutzgebiete sind zu beachten.

Abwassersammelgruben dürfen nicht unter Aufenthaltsräumen angelegt werden und müssen von Öffnungen zu
Aufenthaltsräumen mindestens 5 Meter entfernt sein; sie müssen von der Nachbargrenze mindestens 2 Meter
entfernt sein.


3.2 Werkstoff und Ausführung

Die Abwassersammelgruben müssen standsicher, dauerhaft, wasserdicht und korrosionsbeständig sein.


3.2.1 Abwassersammelgruben aus Beton oder Stahlbeton

Abwassersammelgruben aus Beton oder Stahlbeton können in Ortbetonbauweise oder aus vorgefertigten
Beton- oder Stahlbetonteilen hergestellt werden. Der Beton muss mindestens die Festigkeitsklasse B 35 nach
DIN 1045 aufweisen. Vorgefertigte Betonteile müssen DIN 4034-1 und DIN 4034-2 oder anderen einschlägigen
Normen entsprechen.


3.2.2 Gemauerte Abwassersammelgruben

Bei gemauerten Abwassersammelgruben sind die Außenwände vollfugig aus Vollziegeln oder Vollsteinen mit
einer Druckfestigkeit von mindestens 15 N/mm3 und mindestens 24 cm dick, z. B. aus Kanalklinkern nach DIN
4051, unter Verwendung von Zementmörtel nach DIN 1053-1, Mörtelgruppe III, herzustellen.


3.2.3 Abwassersammelgruben aus sonstigen Werkstoffen

Die Güteanforderungen an die Werkstoffe und Werkstoffverbindungen richten sich nach den einschlägigen
Normen. Bei zu erwartendem Grundwasser ist die Auftriebssicherheit zu beachten.


3.2.4 Wasserdichtheit

Außenwände und Sohle der Abwassersammelgrube müssen wasserdicht sein. Zur Prüfung auf Wasserdichtheit
ist die Abwassersammelgrube bis zum höchsten Füllstand mit Wasser zu füllen. Sie gilt als wasserdicht, wenn
nach einer Standzeit von 24 Stunden in einer Beobachtungsspanne von 2 Stunden kein Wasserverlust
beobachtet wird. Die Wasserdichtheitsprüfung ist in regelmäßigen Zeitabständen, z. B. für gemauerte
Abwassersammelgruben alle 5 Jahre, zu wiederholen.

Die Dichtigkeitsprüfung ist bei Aufforderung nachzuweisen. Sie kann durch die FWA mbH, die Wasserbehörde
bzw. Stadt/Gemeinde verlangt werden.


3.3 Zulaufleitung

Für die Zulaufleitungen gelten die Bestimmungen der DIN 1986 und der dazugehörigen Teile.
Die außerhalb des Gebäudes verlegten Zulaufleitungen sollten eine Nennweite von mindestens
DN 150 aufweisen.


3.4 Lüftung

Eine gute Be- und Entlüftung der Abwassersammelgrube ist für den Bestand der Anlage und einen
störungsfreien Betrieb unerlässlich. Die Be- und Entlüftung sind getrennt durchzuführen, um dem Entstehen
und Ansammeln giftiger oder explosibler Faulgase betrieblich entgegenzuwirken.

In Sonderfällen, in denen eine natürliche Be- und Entlüftung nicht ausreichend ist, ist eine Zwangslüftung
vorzusehen. Falls erforderlich, sind zusätzliche Lüftungen anzuordnen, z. B. bei Abwasserhebeanlagen,
Mehrbehälteranlagen.


4. Bauliche Ausbildung


4.1 Allgemeine Anforderungen

Die Abwassersammelgrube muss so ausgebildet sein, dass sie jederzeit leicht überwacht, gewartet, geleert und
instandgehalten werden kann. Sie muss neben der Lüftung mit

- mindestens einer Entleerungs- und Reinigungsöffnung (Mannloch) von nicht weniger als 600 mm
  lichter Weite oberhalb des höchsten Wasserstandes,
- Saugrohr mit Anschlusskupplung für Saugschlauch ausgestattet sein und sollte zur Sicherheit
- eine Füllstandsmesseinrichtung und
- eine Warneinrichtung zur Anzeige einer erforderlich werdenden Entleerung haben.

Eine Aufteilung der Grube in mehrere Kammern oder Behälter ist zulässig. Es ist zweckmäßig dafür zu sorgen,
dass die Kammern oder Behälter nacheinander gefüllt werden, damit ein sicherer Betrieb der Anlage mit einer
angepaßten Abfuhr des Grubeninhalts erreicht werden kann.

Das Zulaufrohr muss 50 bis 100 mm über die Innenwand hinausragen.

In dem Sumpf ist ein stationäres Saugrohr einzuhängen, das am freien Ende oberhalb der Abdeckung ein
Kupplungsstück für den Anschluss eines Saugschlauches hat.

Die Grubensohle ist mit einem Mindestgefälle von 3 % und am Tiefpunkt mit einem Sumpf auszubilden,
so dass auch eine vollständige Entleerung der abgesetzten Stoffe möglich ist. Über dem Sumpf ist die
Entleerungsöffnung vorzusehen, falls kein stationäres Saugrohr vorhanden ist.


4.2 Abdeckung

Die Abdeckung der Abwassersammelgrube muss dauerhaft und so beschaffen oder gesichert sein,
dass Gefahren nicht entstehen können. Die an der Einbaustelle auftretenden Verkehrslasten sind zu
berücksichtigen. Deckel müssen von Hand geöffnet werden und so ausgebildet sein, dass sie nicht
in die Grube fallen können.

 

4.3 Oberirdisch aufgestellte Behälter

Bei oberirdisch aufgestellten Behältern mit Abwasserhebeanlagen ist zusätzlich zu den genannten
Anforderungen auf einen ausreichenden Wärme- und Kälteschutz der Behälter zu achten.


4.4 Zustimmung/Abnahme

Die Errichtung von Sammelgruben ist nach dem Baugesetz Land Brandenburg durch das Baurechtsamt
genehmigungspflichtig, das auch die Abnahme vornimmt.


4.5 Hinweis

Bei begrenzter Nutzungsdauer sind abgeminderte Anforderungen zulässig, jedoch Mindestanforderungen
einzuhalten.

Die begrenzte Nutzungsdauer bedeutet, dass mit der Abwassererschließung im unmittelbaren Bereich
begonnen wurde oder die Abwassererschließung in einem Zeitraum von 3 Jahren funktionsfähig wird.

Zu den Mindestanforderungen zählen

- Dichtheit der Sammelgrube
- Lage der Sammelgrube
- Mindestvolumen 3 Kubikmeter sowie
- Ausschluss der Einleitung gefährlicher Stoffe

 

5. Betrieb


5.1 Grundregeln

Der Betrieb von Abwassersammelgruben ist so einzurichten, dass

- Belästigungen und Gefährdungen von Personen und der Umwelt nicht zu besorgen sind, was insbesondere
   für die Entleerung der Gruben und den Abtransport des Inhalts gilt;
- die Abwassersammelgrube in ihrem Bestand und ihrer bestimmungsmäßigen Funktion
  nicht beeinträchtigt oder gefährdet wird;
- keine nachhaltig belästigenden Gerüche auftreten.


5.2 Durchführung des Betriebes

Der Eigentümer bzw. der Nutzer ist für den Betrieb, die Betriebsfähigkeit und die Sicherheit der Grube
verantwortlich. Er hat darauf zu achten, dass keine Verstopfungen im Zulauf auftreten, die Grube dicht ist,
keine baulichen Schäden zu verzeichnen sind und die Grube regelmäßig und rechtzeitig entleert wird.


5.3 Gefahren bei Arbeiten an Abwassersammelgruben

Der Einstieg in Abwassersammelgruben ist verboten!

In Abwassersammelgruben muss mit der Bildung von gefährlichen und toxischen Gasen, wie Schwefel-
wasserstoff, gerechnet werden. Muss in die Sammelgrube eingestiegen werden, ist dies nur bei völlig entleerter,
gesäuberter und ausreichend gelüfteter Grube zulässig. Die einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften für
Abwasseranlagen sind zu beachten.


5.4 Entsorgung

Entsprechend den geltenden Satzungen ist die FWA mbH zur Entsorgung der Fäkalien aus den Gruben
verpflichtet. Deshalb erfolgt die Entleerung durch beauftragte öffentlich bekannt gemachte Entsorgungsfirmen.


6. Außerbetriebnahme

Die Außerbetriebnahme erfolgt bei

- Anschluss des Grundstückes an eine zentrale Abwasseranlage; eine Einbindung in die Grundstücksleitungen
  ist nicht zulässig; die Grube ist von den Grundstücksleitungen zu trennen!
- Nichterfüllung der Anforderungen nach diesen Grundsätzen;
- anderen Gründen im Grundstück bedingt.

Mit Einstellung der Nutzung der Grube als Abwassersammelgrube ist

- die Grube sofort bis auf den Grund zu entleeren und
- der Rückbau und die Entsorgung des Abbruchmaterials vorzunehmen oder
- die Grube zu reinigen und nach entsprechender Herrichtung einer anderen Nutzung zuzuführen,
  u. a. zum Auffangen von Niederschlagswasser.


Sammelgrube

 

 

 

 

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